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Gedenktafelenthüllung für Max Alsberg am 12.
September 2001
Redebeitrag Gerhard Jungfer, Rechtsanwalt -
Fachanwalt für Strafrecht
„Ich begrüße Sie, Frau
Jutta von Pochhammer, als Vertreterin von Frau Renate Alsberg-Hunter der Tochter
Max Alsbergs, die ihre große Freude mitteilt, dass diese Gedenktafel enthüllt
wird.
Ich begrüße Sie Herr Bürgermeister
und die Vertreter des Bezirksamtes. Dann begrüße ich die Vertreter der
Anwaltschaft. Um Max Alsberg zu ehren nenne ich nicht Ihre Namen, sondern die
Institutionen, die Sie vertreten.
Ich begrüße den Präsidenten
der Bundesrechtsanwaltskammer, die Mitglieder des Vorstandes der
Rechtsanwaltskammer Berlin, den Vertreter der Rechtsanwaltskammer Köln, die
Vertreter des Deutschen Anwaltvereins und des Strafrechtsausschusses des
Deutschen Anwaltvereins, den Vorsitzenden des Berliner Anwaltvereins, den
Vertreter des Vereins Deutsche Strafverteidiger e.V., Vorstandsmitglieder der
Vereinigung Berliner Strafverteidiger e.V. und des Kreises Historisch
Interessierter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.
Max Alsberg hat nicht nur für
die Strafverteidigung, sondern für die gesamte Rechtsanwaltschaft und darüber
hinaus für die Rechtswissenschaft und so - richtig verstanden - für die
Sicherung des friedvollen Zusammenlebens eines Volkes eine bis heute andauernde
Bedeutung. Er war und ist eine Leuchtfigur unseres Standes.
[...]
b) Leopold Schwarzschild:
"Er war in den Zeiten
eines großen forensischen Kampfes unfähig, auch nur ein Gespräch zu führen,
dessen Mittelpunkt nicht 'sein Fall' war Er konnte nichts anderes denken, nichts
anderes sehen, nichts anderes hören.
Diese Besessenheit war
vermutlich auch die Wurzel des nachtwandlerischen Instinktes, mit dem Alsberg in
den schwierigsten prozessualen Situationen plötzlich auf einen `Einfall'
verfiel, der alles rettete.
Er konnte in irgendeiner
verzweifelten Lage seinen Mandanten oft nicht einmal gründlich erklären, was
er bezwecke, er schien oft etwas ganz Absurdes und Hoffnungsloses zu tun, -
Dinge, auf die kein anderer je verfallen wäre, über den man sich anfangs am
Richtertisch und auf der Bank seiner Gegner moquierte:
Etwas später ergab sich, daß
er gerade den Punkt getroffen hatte, auf den es ankam. Denn er hatte die
Leidenschaft, die Phantasie und die Intuition des wirklichen Künstlers, der man
sein muß, um ein großer Advokat zu sein. «
Dies ist ein gutes Zitat um
uns dem Haus vor dem wir stehen zuzuwenden und uns phantasievoll hinein zu
denken:
In
Zeiten vor einem großen Prozess hat Alsberg nicht in seinem Büro am
Nollendorfplatz gearbeitet, sondern in diesem Haus. Seine Ehefrau aus der
Erinnerung (Curt Riess berichtet):
„In den letzten Tagen vor
einem großen Prozeß war unser Haus eine Art Feldlager geworden. In jedem
Zimmer saßen irgendwelche Leute, die mit dem Prozeß zu tun hatten, lasen,
tippten, ruhten sich auch manchmal ein oder zwei Stunden auf einem Sofa oder in
einem Lehnstuhl aus.... Ich hatte das Gefühl in einem Irrenhaus zu sein.“
[...]
Alsbergs uneingeschränktes und
unerbittliches Festhalten an der Unschuldsvermutung. Hierin war er so klar, so
sicher, daß diese Haltung die Qualität eines vom Willen unabhängigen Reflexes
hatte.
Auch dies führt uns in
dieses Haus hinein, vor dem wir stehen, hier geschah folgendes:
Frederic Alexander Mann, der
als junger Mann in Alsbergs Hause verkehrte, berichtet:
„Aber er war nie laut, nie
laut. Er war immer sehr ruhig", aber er erwähnt eine Ausnahme:
Auf einer Gesellschaft standen
junge Juristen um Alsberg herum. Dieser "erzählte von einem Fall, den er
gerade hatte. Da kam der Sohn dazu und sagte: 'Was hat der Mann getan, Vater?'
Alsberg dreht sich um und schreit den Sohn an: 'Weißt Du nicht, was Du sagen
sollst, was soll der Mann getan haben?““
[...]
Zu seinem 25jährigen
Berufsjubiläum gab es eine große Gesellschaft in diesem Hause und es wurde ihm
von etwa Hundert namhaften Strafverteidigern ein Text gewidmet, in dem es u.a.
hieß:
„Seit 25 Jahren stehen Sie in
unseren Reihen. 25 Jahre lang waren Sie unser Mitstreiter im Kampf um die höchsten
Güter der Menschheit, um Recht und Gerechtigkeit. ... Wir sind stolz darauf, daß
wir Sie vom Tage der Gründung unseres Vereins zu den unsrigen und zu einem
unserer Führer zählen durften. Möge ein freundliches Geschick Sie uns noch
eine lange Reihe von Jahren in voller Lebensfrische und Tatkraft erhalten, als
schaffenden Gelehrten und vorbildlichen Kämpfer für Recht und
Gerechtigkeit!““
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